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Kreisdienststellen der BV Karl-Marx-Stadt

Entsprechend der administrativen Gliederung der DDR in Bezirke und Kreise gab es im Verantwortungsbereich jeder MfS-Bezirksverwaltung prinzipiell für jeden Kreis eine Kreisdienststelle. In Städten mit Stadt- und Landkreis existierte in der Regel nur eine Kreisdienststelle, nur in größeren Städten wurden zwei Kreisdienststellen eingerichtet, so z. B. in Karl-Marx-Stadt. Hinzu kamen in Bezirken mit besonders wichtigen Kombinaten oder Einrichtungen noch sogenannte Objektdienststellen.

Die Kreis- bzw. Objektdienststellen unterschieden sich von den Bezirksverwaltungen durch eine grundsätzlich andere Struktur, da sie ein in sich geschlossenes Gebiet nach geheimdienstlichen Gesichtspunkten komplex zu sichern und zu kontrollieren hatten. Die "Linienaufgaben" von Ministerium und Bezirksverwaltungen liefen hier zusammen. Die Leiter der Kreisdienststellen wurden auf persönlichen Befehl des Ministers eingesetzt bzw. abberufen und waren für die operative Arbeit im Territorium ihres Kreises voll verantwortlich. Um dies zu sichern, gab es eine direkte Verbindung vom Minister für Staatssicherheit zum Leiter der jeweiligen Bezirksverwaltung und von diesem zum Leiter der Kreisdienststelle. Zwischen den einzelnen Abteilungen auf zentraler Ebene sowie auf Bezirks- und Kreisebene bestand hingegen kein Weisungsverhältnis. Die Leiter der Kreisdienststellen waren zudem stets Mitglieder der SED-Kreisleitung und berichteten dort den Ersten Sekretären über alles, was ihre Dienststelle im Kreisgebiet feststellen konnte.

Die Größe und der innere Aufbau der Dienststellen variierten in Abhängigkeit von Einwohnerzahl und politischer Bedeutung des jeweiligen Kreises. Entsprechend ihrer Mitarbeiterzahl waren die Kreisdienststellen in drei Kategorien eingeteilt: Kategorie A: 84 und mehr, Kategorie B: 51 bis 83, Kategorie C: bis 50. Die Leiter der kleinen Kreisdienststellen hatten jeweils einen Stellvertreter, die Leiter der mittleren und großen dagegen zwei. Die Gliederung in Referate und deren Personalstärke war jeweils an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Stets gab es ein Referat "Auswertung und Information", das alle gewonnenen Informationen auswertete und einspeicherte. Daneben existierten "operative Referate", in der Regel spezialisiert auf die Bereiche Spionageabwehr, Volkswirtschaft, Territorialsicherung und Ermittlungstätigkeit/Sicherheitsüberprüfung.

Der Bezirk Karl-Marx-Stadt war in der DDR ein bedeutender Industriestandort mit hoher Bevölkerungsdichte. Die BV Karl-Marx-Stadt war folglich eine der größten Bezirksverwaltungen des MfS und führte nach der BV Halle die meisten Kreisdienststellen. Laut Struktur- und Stellenplan von 1988 gab es im Bezirk zwei große, drei mittlere und siebzehn kleine Kreisdienststellen, die sich folgendermaßen verteilen:

Kategorie A: KD Karl-Marx-Stadt/Stadt und Zwickau
Kategorie B: KD Aue, Freiberg und Plauen 
Kategorie C: Karl-Marx-Stadt/Land, Annaberg, Auerbach, Brand-Erbisdorf, Flöha, Glauchau, Hainichen, Hohenstein-Ernstthal, Klingenthal, Marienberg, Oelsnitz, Reichenbach, Rochlitz, Schwarzenberg, Stollberg, Werdau und Zschopau