4 Titel
DY 3  
Druckansicht

Demokratischer Block - Verbindungsbüro 
Online-Findbuch

Aufgaben und Organisation:
Am 14.07.1945 schlossen sich unter der Bezeichnung "Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien" die >>KPD, die >>SPD (nach der Vereinigung 1946 >>SED) die >>CDU und die >>LDPD zu einem Bündnis zusammen. In dem gleichzeitig geschaffenen gemeinsamen Ausschuss hatte jede dieser Parteien anfangs fünf, später vier Sitze. Der Zusammenschluss sollte den Parteien die Möglichkeit einer Zusammenarbeit bei der Lösung anstehender Aufgaben bieten. Parlamentarische Institutionen gab es dafür noch nicht. Zur Organisation der Beratungen und Klärung organisatorischer Fragen rief der Ausschuss im Juli ein Verbindungsbüro ins Leben. In die Geschäftsordnung, die wenige Wochen später angenommen wurde, war u. a. die folgenschwere Bestimmung aufgenommen, dass Beschlüsse nur einstimmig zu fassen seien. Die Einheitsfront wurde am 17.06.1949 in "Demokratischer Block der Parteien und Massenorganisationen" umbenannt. Gleichzeitig wurden die politischen Richtlinien und Organisationsprinzipien eindeutig festgelegt.
Bis 1948 kam es zwischen der SED und den anderen Parteien zu teilweise heftigen Auseinandersetzungen, u. a. zur Bodenreform, zur Enteignung in der Industrie sowie über die Volkskongreßbewegung. Mit der Aufnahme der >>DBD (1948), der >>NDPD (1948), des >>FDGB (1948), der >>FDJ (1950), des >>DFD (1952) und des >>Kulturbundes traten kontroverse Diskussionen in den Hintergrund. Diese Organisationen unterstützten rückhaltlos die Positionen der SED. Im Laufe der folgenden Jahre verlor der Block immer mehr an Bedeutung.
Mit der aus der Volkskongreßbewegung hervorgegangenen >>Nationalen Front, deren Kern der Demokratische Block bildete, entstand 1949 ein weiteres Organ der Bündnispolitik. Beide waren verantwortlich für das Funktionieren des Mehrparteiensystems. Die Aufgabe des Demokratischen Blocks lag dabei v. a. bei tagespolitischen Regierungsgeschäften im Bereich der Innen- und Wirtschaftspolitik der DDR und bei der Vereinheitlichung der Standpunkte der einzelnen Parteien. Im Dez. 1989 wurde der Demokratische Block aufgelöst.

Bestandsinformation:
- v. a. Sitzungsprotokolle des gemeinsamen Ausschusses der Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien bzw. des Demokratischen Blocks.
31 AE (1,30 lfm) 1945-1970, 1989
Bemerkung: Friedrich 06-2004
DY 6  
Druckansicht

Nationalrat der Nationalen Front der DDR
Online-Findbuch

Aufgaben und Organisation:
Die Nationale Front entstand aus der von der SED 1947 initiierten "Volkskongreßbewegung für Einheit und gerechten Frieden". Deren Ziele waren Ende 1949 gescheitert. Am 07.10.1949 konstituierte sich der vom 3. Volkskongreß gewählte Deutsche Volksrat als Provisorische Volkskammer der DDR. Ebenfalls auf dieser Tagung wurde die Bildung der Nationalen Front beschlossen. Grundlage war die Entschließung des PV der SED vom 04.10.1949 über "Die Nationale Front des demokratischen Deutschland und die Sozialistische Einheitspartei", in der zur Bildung einer gesamtdeutschen Nationalen Front aufgerufen wurde.
Die Nationale Front diente neben dem 1945 gebildeten >>Demokratischen Block zur Durchsetzung der Ziele der SED innerhalb der Bündnispolitik. Während im Demokratischen Block nur wenige Massenorganisationen vertreten waren, umfasste die Nationalen Front eine Vielzahl weiterer Organisationen, Vereinigungen, Gesellschaften, Verbände und auch einzelne Bürger. Die Mitarbeit in der Nationalen Front beruhte nicht auf Mitgliedschaft.
Anfang 1950 formierte sich die Nationale Front organisatorisch. Am 7. Jan. beschloss das Sekretariat der Deutschen Volkskongreßbewegung, sich als Sekretariat der Nationalen Front zu konstituieren. In den folgenden Wochen wurden die Ausschüsse der Volkskongreßbewegung in Ausschüsse der Nationalen Front umgewandelt. Am 3. Febr. konstituierte sich aus dem erweiterten Präsidium des Deutschen Volksrates der Nationalrat als zentrales Organ der Nationalen Front.
Höchstes Organ der Nationalen Front war der Kongress. Der erste Kongress fand im Aug. 1950 statt, die weiteren - bis auf den letzten - alle vier Jahre. Der Kongress wählte den Nationalrat, das Präsidium, den Präsidenten und den Vizepräsidenten. Zwischen den Kongressen leitete der Nationalrat die Arbeit durch das Präsidium und das Sekretariat. Im Präsidium waren die >>SED, die >>DBD, die >>CDU, die >>LDPD, die >>NDPD, der >>FDGB, die >>FDJ, der >>DFD, die >>Volkssolidarität, die Domowina und der >>Kulturbund der DDR vertreten. Nach 1969 gab es keinen Kongress mehr und der Nationalrat wirkte als höchstes Organ. Personelle Veränderungen wurden nicht mehr durch Wahl, sondern nach dem Prinzip der Delegierung vorgenommen. Präsidenten des Nationalrates waren Erich Correns (1950-1981) und Lothar Kolditz (1981-1989).
Bis 1962 hatte der Nationalrat der Nationalen Front einen eigenen Verlag, den >>Kongreß-Verlag.
Die Nationale Front war nach dem Territorialprinzip aufgebaut. In den Ländern bzw. Bezirken, in den Kreisen und Stadtbezirken wurde die Tätigkeit der Nationalen Front durch Landes- bzw. Bezirks-, durch Kreis- und Stadtbezirksausschüsse geleitet. In den Städten und Gemeinden bestanden Orts- und Wohnbezirksausschüsse.
Die Nationale Front war von Anfang an hauptverantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Wahlen zur Volkskammer, zu den Bezirkstagen, Kreistagen, Stadtverordnetenversammlungen, Stadtbezirksversammlungen und Gemeindevertretungen. Die gewählten Abgeordneten stützten sich bei ihrer Arbeit auf die Ausschüsse der Nationalen Front.
Die Aufgaben der Nationalen Front und des Nationalrates veränderten sich in den Jahrzehnten ihres Bestehens. Im "Programm der Nationalen Front des demokratischen Deutschland" vom 15.02.1950 war ein Hauptziel die Schaffung eines "einheitlichen, demokratischen, friedlichen und unabhängigen Deutschlands". In diesem Sinne beschäftigte sich die Nationale Front intensiv mit Ereignissen und Entwicklungen in ganz Deutschland. Organisatorisch stand ihr hierfür die Westkommission des Präsidiums des Nationalrates zur Verfügung, deren Instrument die Abt. für westdeutsche Angelegenheiten war. 1962 wurden Teile des 1954 gebildeten Ausschusses für Deutsche Einheit in diese Abteilung eingegliedert.
Etwa Mitte der 1950er Jahre begann sich die gesamtdeutsche Zielsetzung zugunsten des sozialistischen Aufbaus in der DDR zu verschieben. 1973 wurde die "Nationale Front des Demokratischen Deutschland" in "Nationale Front der DDR" umbenannt. Aus dem "Deutschen Nationalrat" wurde der "Nationalrat der Nationalen Front der DDR". Ende der 1970er und vor allem in den 1980er Jahren traten zunehmend Aufgaben mit regionalem Bezug in den Vordergrund. Das auf dem IX. Parteitag der SED 1976 beschlossen Parteiprogramm der SED beschreibt die Aufgaben der Nationalen Front: "Die Nationale Front als sozialistische Volksbewegung leistet einen bedeutenden Beitrag zur Annäherung der Klassen und Schichten auf dem Boden der Ideale der Arbeiterklasse. Sie entwickelt enge Gemeinschaftsbeziehungen in den Wohngebieten der Städte und Gemeinden. Ihre massenpolitische Arbeit ist eine wichtige Bedingung für die ständige Entwicklung der sozialistischen Demokratie, für die planmäßige Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bürger und die Verschönerung der Städte und Gemeinden sowie für ein vielseitiges geistig-kulturelles Leben."
Der Nationalrat und die Ausschüsse der Nationalen Front bemühten sich um den Kontakt zu den verschiedenen Gruppen und sozialen Schichten der Bevölkerung unabhängig von einer Parteizugehörigkeit. Im Vordergrund stand die Arbeit mit Handwerkern und mit Christen. So wurde der >>Bund Evangelischer Pfarrer, eine Vereinigung von Pfarrern, die der DDR positiv gegenüberstanden. materiell und ideell unterstützt.
Die Nationale Front initiierte eine Vielzahl von Aktivitäten, die der Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität der Menschen, aber auch der Erfüllung volkswirtschaftlicher Aufgaben dienten. Eine der bedeutendsten Aktionen in den 1950er Jahren war das Nationale Aufbauwerk, mit dem vor allem durch die Masseninitiative der Bevölkerung volkswirtschaftliche Werte geschaffen werden sollten. Eine weitere Initiative, Ende der 1960er Jahre aus der Torgauer Initiative entstanden, war der Wettbewerb "Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit!". Innerhalb dieses Wettbewerbs wurde in den Städten und Dörfern die Wohn- und Lebensqualität verbessert, wie z. B. Wohnhäuser modernisiert, Kultur- und Sportstätten geschaffen, Grünanlagen gepflegt. Die Nationale Front initiierte kulturelle und sportliche Aktivitäten, wie z. B. die Arbeiterfestspiele und war Mitgestalter des Lebens in den Wohngebieten und Hausgemeinschaften. Im Mittelpunkt der Arbeit der Nationalen Front auf dem Lande standen die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Förderung des individuellen Wohnungsbaus.
Auf außenpolitischem Gebiet pflegte der Nationalrat Kontakte zu einer Vielzahl von Staaten unterschiedlicher politischer Ausrichtung. Einen großen Stellenwert besaß die Solidarität mit Völkern, die eine demokratische Entwicklung im Sinne der sozialistischen Staatengemeinschaft erwarten ließen. Es wurden Hilfsausschüsse bzw. -komitees eingerichtet, wie zum Beispiel 1950 ein Korea-Hilfsausschuss (ab 1954 Solidaritätsausschuss für Korea und Vietnam).
Im Okt./Nov. 1989 diskutierten Vertreter von Parteien und Organisationen über Inhalt und Fortbestand der Nationalen Front. Am 5. Dez. erklärte Lothar Kolditz seinen Rücktritt als Präsident des Nationalrates. Eine aus Funktionären verschiedener Parteien und Organisationen bestehende Initiativgruppe trat am 13. Dez. mit einem "Aktionsprogramm zur Erneuerung der Arbeit der Ausschüsse der Nationalen Front und ihre Umwandlung in eine Nationale Bürgerbewegung" an die Öffentlichkeit. Am 10.03.1990 fand ein Kongress statt, der für diese Bürgerbewegung als Ausgangspunkt dienen sollte. Auf dem Kongress wurde Annekathrin Bürger zur Präsidentin der zu bildenden Bürgerbewegung gewählt. Der Kongress brachte nicht die erhofften Ergebnisse. Bürgerbewegungen, Parteien und Organisationen waren nicht bereit, eine solche Nachfolgeorganisation der Nationalen Front zu akzeptieren. Im April 1990 löste sich das Sekretariat der Nationalen Front endgültig auf.

Bestandsinformation:
- Kongresse und Tagungen des Nationalrates, des Präsidiums des Nationalrates sowie der Sitzungen des Sekretariats des Nationalrates 
- Wahlen zur Volkskammer, zu den Bezirkstagen und Kommunalwahlen 
- Informationsberichte aus Ländern, Bezirken und Kreisen der DDR 
- Ausschüsse der Nationalen Front
- Wettbewerb "Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit!"
- Tätigkeit der Abteilungen des Nationalrates, v. a. Abt. Agitation, Abt. Christliche Kreise, Abt. Handwerker und Gewerbetreibende, Abt. Internationale Verbindungen, Abt. Kultur, Abt. Volkswirtschaftliche Masseninitiative und der Westabt.
- Pressekonferenzen

3414 AE + ca. 150 lfm unbearbeitet 1948-1990
Bemerkung: Fischer 12-2017
DY 7  
Druckansicht

Kongreß-Verlag
Online-Findbuch

Aufgaben und Organisation:
Der Kongreß-Verlag wurde im Jan. 1948 als GmbH gegründet, zunächst als Verlag der Volkskongreßbewegung. Gesellschafter waren Erich Gniffke, Arthur Lieutenant, Friedel Malter, Otto Nuschke und Walter Ulbricht. Ab Jan. 1950 arbeitete er als Verlag des >>Nationalrates der Nationalen Front weiter. 1954 erfolgte die Eintragung in das Register der volkseigenen Wirtschaft. Verlagsleiter waren Kurt Grüne (1948-1955), Kurt Noack (1955-1959) und Käthe Krieg (1960-1962).
Neben den Materialien der Volkskongreßbewegung bzw. denen des Nationalrates der Nationalen Front gab der Verlag v. a. Literatur zu Politik und Zeitgeschichte, zur Entwicklung in der DDR, zur Völkerfreundschaft, zur internationalen Solidarität und zum antifaschistischen Widerstandskampf heraus. Erschienen sind verschiedene Broschüren, Schriftenreihen und Zeitschriften, wie z. B. "Deutschlands Stimme" (später "Stimme des Patrioten" bzw. "Die Stimme"), "Schriftenreihe des Deutschen Volksrates", "Informationsdienst" des Deutschen Volksrates bzw. des Nationalrates der Nationalen Front, "Nationale Front für Einheit und gerechten Frieden" und Dokumentenpublikationen zur Geschichte der neuesten Zeit. Seit 1952 gab es eine verlagseigene Buchproduktion, v. a. mit Biografien von Persönlichkeiten aus der deutschen Geschichte. Ab 1957 wurde auch Belletristik verlegt.
Inhaltliche Überschneidungen mit den Programmen anderer Verlage konnten durch Eingrenzungen und Modifizierungen des Verlagsprogramms nicht verhindert werden. Zusätzliche Schwierigkeiten ergaben sich aus der Art und Weise des Vertriebs und Absatzes, für den der Kongreß-Verlag im Gegensatz zu anderen Verlagen bis in die unterste Ebene selbst verantwortlich war. Der größte Teil der Produktion wurde über einen umfangreichen und aufwendigen Instrukteurapparat abgesetzt. Nur ein Teil gelangte über den Buchhandel an die Leser. Diese Schwierigkeiten und organisatorische Veränderungen in der Leitung des Verlagswesens führten dazu, dass der Verlag auf Beschluss des MfK zum 31.12.1962 aufgelöst wurde. Einige Aufgaben wurden vom Nationalrat der Nationalen Front, Abt. Agitation weitergeführt.

Bestandsinformation: 
- Zusammenarbeit mit dem Nationalrat der Nationalen Front, dem ZK der SED, dem MfK, und dem Amt für Information und Verlagswesen 
- Personalakten von Mitarbeitern des Kongreß-Verlages.
46 AE (1,4 lfm) 1947-1966, 1971
Bemerkung: Friedrich 03-2003
DY 4  
Druckansicht

Redaktion und Verlag "begegnung"
Online-Findbuch

Aufgaben und Organisation:
Die “begegnung” erschien erstmals im Jahr 1961. Sie war eine katholische Monatszeitschrift. Gründer und Herausgeber der Zeitschrift war Karl Grobbel (1897-1971). Chefredakteur war Otto Hartmut Fuchs, sein Stellvertreter Hubertus Guske, der zeitweilig als Chefredakteur fungierte.
Das Schriftgut von Redaktion  und Verlag der "begegnung" befand sich im Archiv des Nationalrats der Nationalen Front. Mitte der 90-er Jahre ging dieser Bestand in die Zuständigkeit der SAPMO über. Im Zuge der Bewertung der Überlieferung des Nationalrats der Nationalen Front wurde dieses Schriftgut herausgelöst und der Bestand DY 4 gebildet.

Bestandsinformation:
- Zusammenarbeit mit Institutionen, Organisationen und anderen Verlagen, u.a. ”Union Verlag”
- Zusammenarbeit mit Lesern, Autoren und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens
66 AE (1,25 lfm) 1956-1987